Jetzt ist es mal wieder an der Zeit. Lange genug habe ich die Flut der Logi und Low Carb Literatur kommentarlos an mir vorüber ziehen lassen. Hab mir die sonderlichen Essgewohnheiten von flüchtigen Bekannten angeschaut, ohne mich wortgewaltig einzumischen.
Soviele Zeitschriften, Verlage, Fitnessjünger und –gurus können doch nicht irren. Vielleicht irrte ich jahrelang? Jetzt, mit einigem Abstand von dieser Ernährungs-Szene, hier in Thailand vergnüglich Reis löffelnd, bin ich bereit, mich diesem Thema erneut und vorbehaltlos zu stellen. Wer weiß, vielleicht tut es mir ja auch gut, den Reis abends wegzulassen.
Könnte sein, dass es der Titel dieses Buches war, der mich, als Liebhaberin spannender Verschwörungs- und Agententhriller, neugierig gemacht hat. Egal. Wichtig ist meine Herangehensweise. Wenn ich schon ein Buch des Systemed Verlages, bekannt für sein eiweißreiche Lesekost, rezensiere, dann nur, wenn ich ganz neutral rangehe. Sachlich. Wenn ich all meine Vorurteile in Bezug auf Logi und Low-Carb über Bord werfe und einfach mal sehe, was da für mich rausspringt. Vielleicht war ich all die Jahre nur zu borniert, um das Offensichtliche zu sehen: Die Vorteile einer an Kohlenhydraten armen Kost!
Das Kohlenhydratkartell von Clofford Opoku-Afari
erschienen im Systemed Verlag in der 3.Auflage 2013
Über die Diätkatastrophe, die finsteren Machenschaften der Zuckerlobby und Wege aus dem Diätendschungel
Schon im Untertitel stellt sich heraus, dass hier die Zuckerlobby gemeint ist. Ach so, es geht ja gar nicht um alle Kohlenhydratquellen, keiner will zunächst mein Vollkornbrot angreifen. Entspannung, aber zugleich auch Langeweile. Dass Zucker und Weißmehle, die sogenannten leeren Kohlenhydrate, weder für die Figur noch für die Gesundheit der Hit sind. Geschenkt.
Dann wird die Steinzeit aufgearbeitet, das alte Pro und Contra für und gegen eine vegetarische Ernährung. Vom Gebiss bis zur Darmlänge, wieder das ganze Programm, bekannt, zumindest jenen, die sich im Laufe ihres Lebens schon einmal für oder gegen eine vegetarische Ernährung ausgesprochen haben. Dabei weiß doch jeder, wir können alles, Getreide zermalmen, Knochen abnagen und beides verdauen. Klappt wunderbar. Wir können uns sogar aus ethischen Gründen gegen eine Ernährung aus Fleisch und Fleischprodukten entscheiden und trotzdem nicht daran zu Grunde gehen, klappt ausgezeichnet. Zieht ja auch kein Mann mehr seine Frau an den Haaren in die Höhle.
Ups, sachlich bleiben! – Ok , also weiter im Text.
Weiter dann im zweiten Drittel: Es wird der Unterschied zwischen „glykämischer Index“ und „glykämischer Last“ erklärt. Kritisch werden die Atkins Diät, die Glyx-Diät und ähnlich strenge Low-Carb Diäten beleuchtet. Es wird relativiert und harmonisiert. Nudeln, Müsli und Co, ja schon, aber nicht so viel und nicht mehr abends, so könnte man es zusammenfassen. Man ist milde geworden.
Seit Atkins sind Low Carb Lebensmittel in den USA ein gewinnbringender Posten in der Lebensmittelbranche. Ich habe aber nicht das Gefühl, das die Zahlen der Übergewichtigen und an Diabetes Erkrankten in den letzten 20 Jahren abgenommen hat in den USA. Aber das ist nur so ein Gefühl von mir. Nichts was bewiesen wäre. Apropos, die wenigen Studien, die für die Erfolge der Low Carb Ernährung aufgeführt werden, sind genau so wenig evident und aussagekräftig wie alle Ernährungsstudien der letzten 100 Jahre. Na also, glaub was Du magst, interpretiere, wie es dir gefällt. Inzwischen gibt es auch einige Studien gegen Low Carb, die letzte findet heraus, dass sich bei stark eiweißhaltiger Kost Ablagerung an den Gefäßen ansammeln. Unser medizinisches Halbwissen folgert richtig: es drohen Arteriosklerose und Herz-Kreislaufkrankheiten.
Der Absatz und das Interesse an Low Carb und deren Produkten sind in letzter Zeit leicht rückläufig, der Hype scheint vorbei. Es wird also Zeit, sich etwas Neues einfallen zu lassen, diese Geld Quelle ganz aufzugeben wäre einfach zu schade. Muss auch nicht, wie gesagt, man relativiere ein wenig und pimpe das ganze modern mit neuen Vokabeln und Fitnesstrends auf.
Was immer gut geht, das sind Krankheiten. Also die Low Carb Ernährung gewissermaßen als Medizin. Wogegen? Ein Blick in das Verlagsprogramm von Systemed kann helfen und zwar gegen Alzheimer, Burnout –Syndrom, Diabetes* bis hin zur Krebserkrankung*. Mit der richtigen Ernährung ….
Schweife ich ab? Ein wenig. Zurück zum Buch. Es wird seitenlang gegen den Zuckerersatzstoff Aspartam gewettert. Zu Recht natürlich. Doch gibt es darüber schon Literatur.
Es geht seitenweise um die sogenannte Cholesterinlüge, das gute Ei und warum Butter doch nicht so schlecht ist. Es gibt gute Fette und Transfette und Omega-6 Fettsäuren, erfahren wir. Gut, manche Dinge soll man vielleicht öfter lesen, damit sie besser haften bleiben.
Im letzten Drittel, da geht’s dem Kartell aber an den Kragen, oder? Na, von wegen, im ersten Teil hat die Zuckerindustrie bereits Schelte bekommen, das soll reichen, um den Titel zu rechtfertigen. Jetzt geht es um das Wesentliche, um unsere Ernährung, um unsere unvollkommenen Körper, um unsere runden Hüften und Bäuche.
Es kommt „Low Carb – die dramatische Wende“ und es gibt „Licht am Ende des Diätentunnels“. Vor allem gibt es „Acht Schritte aus der Katastrophe“ und die muss ich hier einfach aufführen. Ich fand sie unterhaltsam. Bitte achtet besonders auf die beiden wichtigsten Punkte, 4 und 5, die unauffällig logisch eingebettet wurden.
(Zitat Anfang)
1. Reduzieren Sie die Glykämische Last Ihrer Mahlzeiten
2. Erhöhen Sie den Eiweißanteil Ihrer Mahlzeiten
3. Erhöhen Sie das Volumen Ihrer Nahrung
4. Verbrauchen Sie mehr Energie
5. Nehmen Sie weniger Energie auf
6. Essen Sie mit Genuss
7. Planung ist die halbe Miete
8. Jetzt sind Sie an der Reihe
(Zitat Ende)
Auf den restlichen Seiten folgen Erfahrungsberichte. Positive Erfahrungsberichte.
Soweit so uninteressant. Wirklich geärgert hat mich nur ein Abschnitt in diesem Buch. Da wurde angemerkt, dass heutzutage die Herkunft der fleischlichen Nahrung aus Mast und Massentierhaltung wohl nicht gut zu heißen sei. – Was? – Ja, nix weiter …
Der Wille war da, ich schwöre. Ich war festen Willens, diese Ernährungsform in Betracht zu ziehen, wenn auch nicht für mich, so doch vielleicht für den ein oder anderen Suchenden oder an Diabetes Erkrankten. Doch im Ernst, nach den Informationen, die ich erhalten habe und über die ich nachgedacht und recherchiert habe, finde ich nach wie vor keine Vorteile für solch eine Ernährungsform*. Ernährt man sich in der Hauptsache abwechslungsreich von natürlichen Nahrungsmitteln und versucht ein gesundes Maß an Bewegung in den Alltag einzubauen, braucht man die Anteile von Eiweiß, Fett und Kohlenhydrate nicht zu berechnen, weder im Sinne der DGE noch nach der Logi-Pyramide. Wir wollen unsere Mahlzeiten schließlich essen und genießen, nicht berechnen. Ich bin nach wie vor der altmodischen Ansicht, dass uns die ständige Verfügbarkeit von minderwertigem Essen (z.B. Fastfood und Limonaden) sowie eine steigende Bewegungsarmut im Alltag zu schaffen machen und nicht die Kohlenhydrate an sich. Aber das ist ja einfach zu banal, um es laut hinzuschreiben.
Konstanze Moos
*Eine klinische Diät, die eine ketogene Kostform bei fortgeschrittenen Krebstumoren vorsieht, sowie eine Reduzierung bis Vermeidung leerer Kohlenhydrate bei Diabetes Erkrankten, das sind Themen, die ich mit dem Logi und Low Carb Thema nicht zusammen bringe. Ebenso die Tatsache, dass es Menschen gibt, die sich ohne äußeren Zwang eiweißreicher oder kohlenhydratereicher ernähren. Das wird immer variieren, je nach Nationalität und Individualität.






